Sorbische Ostereier – Eine Helferin des Osterhasen packt aus

Auf’s Sorbische Ei gekommen

Ganz neu in unserem Sortiment sind die farbenfrohen Sorbischen Ostereier von Esther Liebal. In mühevoller Handarbeit werden sie von der Ostereier-Künstlerin gefertigt. Sie kommt aus der Lausitz, einer sorbischen Region. Hier hat das Betupfen der Eier mit Wachs eine lange Tradition. Neugierig haben wir Frau Liebal zu ihrer außergewöhnlichen Kunst befragt…

Wie wurde Ihre Leidenschaft für die Sorbischen Eier geweckt und wer hat Ihnen sein Wissen weitergegeben?

Ich habe Sorbische Ostereier zum ersten Mal als Kind bei meiner Uroma entdeckt und habe sie immer bestaunt. Dann haben meine Kinder das im Hort gemacht und ich habe mir dort einfach mal Federn geben lassen und habe es zu Hause ausprobiert. Ich bin dann auch auf Ostereiermärkte gegangen, habe Bücher zu dem Thema gelesen und habe experimentiert. Da hat es mich gepackt.

Verzieren Sie die Eier nur zu Ostern  oder das ganze Jahr über?

Inzwischen mache ich es das ganze Jahr über – außer im Sommer bei 30 Grad – , da es so viele Interessenten gibt. Die kommen aus ganz Deutschland. Ich selbst nehme die sorbischen Eier auch gern als Mitbringsel mit, wenn wir jemanden besuchen. Es ist ja typisch für unsere Region und spiegelt unsere Tradition wieder. Das Ei, das am weitesten gereist ist, ging sogar bis in die USA.

Wie viel Zeit planen Sie für ein Ei ein?

Zwei bis drei Stunden muss man schon einplanen. Man muss die Eier ja erst ausblasen, auswaschen, auskochen, färben und dann die Eier verzieren. Am längsten habe ich für ein Straußenei benötigt, da saß ich 40 Stunden dran.

Mit ruhiger Hand tupft Frau Liebal Muster auf das Ei.

Sie möchten neue Eier fertigen. Was müssen Sie dafür vorbereiten und wie fangen Sie an?

Von den verschiedenen Techniken des Eierverzierens habe ich mich auf die Bossiertechnik spezialisiert. Dabei wird farbiges Wachs mittels Federn und Stecknadelköpfen auf das Ei aufgetragen.
Ich verwende Taubenfedern, die zunächst als Dreieck oder Drachenviereck geschnitten werden. Dazu braucht man Erfahrung, da jeder Feder ein Naturprodukt und jeweils etwas anders gewachsen ist. So eine Feder kann man schon mehrere Wochen oder Monate benutzen.
Dann brauche ich natürlich Eier. Diese blase ich aus, wasche und koche sie aus, so dass sie richtig sauber sind.
Anschließend färbe ich die Eier mit flüssiger Ostereierkaltfarbe; für spezielle Farbtöne male ich die Eier auch mit Acrylfarbe an. Sehr gern verwende ich auch naturbelassene Eier in braun oder weiß. Spannend sind auch naturgrüne oder naturblaue Eier, die eine zarte grünliche oder zartblaue Farbe aufweisen.
Dann werden Wachsmalstifte, die Bienenwachs enthalten, geschmolzen. Dazu einen Löffel biegen, in ein Gefäß stellen, welches praktischerweise mit Sand gefüllt ist, und eine Kerze drunter stellen, so dass das Wachs schmelzen kann.
Dann überlege ich mir, welches Muster ich auf das Ei aufbringen möchte. Die entsprechenden Hilfslinien werden mit Zirkel oder Lochschablone vorgezeichnet, für eine gerade Linie legt man ein Gummiband als Zeichenhilfe um das Ei.
Die typischen Wabenmuster oder Blüten entstehen aus den Dreiecken und Drachenvierecken, die mit Federn aufgetragen werden; Punkte und Striche mit Hilfe der Stecknadelköpfe.

Sie besuchen auch Ostereier-Märkte und zeigen dort Ihr Handwerk. Welche Frage wird Ihnen von Besuchern dabei am meisten gestellt?

Am meisten wird gefragt: Wie lang braucht man für ein Ei? Welche Farbe benutzen Sie? Wie lange braucht man um so gut zu werden? Ich sag dann immer: Übung macht den Meister.

Haben Sie Tipps und Tricks für uns, wie die Sorbischen Ostereier aufbewahrt werden sollten, damit sie auch nach langer Zeit wie neu aussehen?

Man sollte sie lichtgeschützt und nicht zu warm aufbewahren. Wenn das Wachs ein bisschen stumpf aussieht, kann man es ganz leicht mit dem Finger wieder aufpolieren.

Hier zeigen Ostereierkünstler ihr Werk: Ostereiermarkt in Schleife

Werden Sie Ihr Können an Ihre Kinder oder Enkel weitergeben?

Meine Kinder können es auch. Momentan stehen sie am Berufsanfang, da machen sie es natürlich weniger. Ich sage auch immer: Es ist nie zu spät. Ich war auch schon über 30, als ich damit angefangen habe.

Was empfehlen Sie Hobby-Malern, die sich das erste Mal an ein Sorbisches Osterei wagen?

Geduld und Freude. Ein perfektes Ei ist nicht wichtig, sondern die Freude am Tun und am Entstehen des Musters auf dem Ei.
Ich kann dabei abschalten. Es ist fast ein bisschen wie meditieren, weil man sich so konzentrieren muss. Am besten sollten sie einfach mal nach Schleife zum Ostermarkt kommen und sich anschauen wie es geht. Er findet jedes Jahr am 2. Wochenende vor Ostern statt.

>>Hier gehts zu unseren Sorbischen Ostereiern!<<

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