Sorbische Ostereier – Bunte Symbole des Glücks

Farbenfrohe Eier mit geheimen Botschaften

„Wo hat es sich denn versteckt?“, fragen sich jedes Jahr Groß und Klein an Ostern, wenn die große Eiersuche wieder gestartet ist. Besonders in der mittleren und niederen Lausitz hat es sich vielerorts durchgesetzt, dass Eier am Karfreitag bemalt werden. Verschenkt werden sie dann am Ostersonntag an die Patenkinder – natürlich zusammen mit Süßigkeiten. Vorher müssen sie diese fleißig suchen.

© Lausitzer Rundschau

Heutzutage werden die kleinen Kunstwerke nicht mehr nur an Ostern und an Kinder weitergegeben, sondern gelten als Glücksbringer an Hochzeiten, Kommunionen, Taufen oder Geburtstagen. Auch bei uns erfreuen sie sich größter Beliebtheit. Farben und Muster tragen dabei eine tiefere Bedeutung als auf den ersten Blick gedacht…

Wie entstehen die außergewöhnlichen Muster?

Bossiertechnik:

Die klassische Bossiertechnik, bei der verschiedene Bienenwachsfarben auf das Ei aufgetragen werden.

Zunächst wird eine Gänse- oder Taubenfeder am Kiel zu einem Drachenviereck oder Dreieck geschnitzt. Mit diesen Federstempeln wird das Ei wiederholt mit vorher eingefärbtem Bienenwachs betupft. Bei entsprechender Schichtung entsteht eine Art Relief.

Batiktechnik/Wachsreservetechnik:

Schrill und bunt werden die Batikeier, die den Osterstrauch besonders aufpeppen.

Am weitesten verbreitet ist wohl die Batik- oder Reservetechnik. Dabei wird Wachs auf das Ei aufgetragen und dieses anschließend in Batikfarbe getaucht. Nun können wiederum Stellen mit Wachs bemalt werden und das Ei wird anschließend wieder in Farbe getaucht. Der Vorgang wird beliebig oft wiederholt, bis das Muster entsteht. Am Ende wird das Wachs abgelöst, wodurch das Muster sichtbar wird.

Kratztechnik:

Eine ruhige Hand wird für die Kratztechnik benötigt.

Aufwendig und besonders filigran ist die Ritz- oder Kratztechnik. In ein gefärbtes Ei werden mit einem scharfen Gegenstand Ornamente eingekratzt. Je nachdem, wie tief gekratzt wird, entstehen so auch Schattierungen oder unterschiedliche Farbnuancen.

Welche Bedeutung haben die Farben?

Die bunten Eier gibt es in allen Farben – und jede hat ihre eigene Bedeutung. © Esther Liebal

Rot: die am meisten verwendete Farbe, da sie für den Opfertod Christi steht und für das (Oster-)Feuer, bei dem alles verbrennt und neue Energie entsteht.

Grün: symbolisiert das neue und junge Leben, gewünscht werden Glück und Gesundheit.

Weiß: steht für die Unschuld und Reinheit.

Gelb: die Farbe des Sonnenlichtes und des Lebens, gewünscht werden Erleuchtung und Wohlstand.

Orange: soll dem Beschenkten Ehrgeiz und Kraft bringen.

Blau: verbinden die Sorben mit Harmonie und Freundlichkeit.

Braun: die natürliche Farbe des Eis wird mit Natur und Bodenständigkeit verbunden.

Schwarz: nicht negativ behaftet, sondern soll den Beschenkten an die Traditionen erinnern.

Welche Muster gibt es und wofür stehen sie?

In der Bossier- und Batiktechnik

Herzen, Blüten und die berühmten Wolfszähnchen sind die wichtigsten Motive auf den Eiern

Sonne/Sonnenrad: steht für das Leben und die Auferstehung Jesu.

Herzen: auch im Sorbischen ein Ausdruck von Liebe.

Dreiecke/Wolfszähne: stellvertretend für die Christliche Trinität und die Familie mit Vater, Mutter und Kind.

Blüten und Blumen: eines der beliebtesten Motive, um das junge Leben zu feiern.

In der Kratz- und Ätztechnik

Auch in der Kratztechnik werden verschiedenste Farben und Muster verwendet. © Esther Liebal

Blumen, Lebensbaum, Ranken oder Sterne: symbolisieren Leben, Wachstum und Fruchtbarkeit

Kreuz oder das Lamm: sind Symbole für die Auferstehung Jesu.

Ebenfalls beliebt sind sorbische Sprüche oder kleine Landschaftsbilder.

Noch nicht genug von den farbenfrohen Eiern? Regelmäßig finden inzwischen Wettbewerbe um das schönste Ei, Ostereiermessen oder Ostereiermärkte statt, wo nicht nur sorbische Eiermaler ihr Können zeigen.

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