“Tu was du kannst, mit dem was du hast, wo immer du bist.”

Raus ins Blaue mit Neo Kaliske

Unsere letzte Zigarette beim Zuspätkommen zu dem Gig von Neo Kaliske resultierte in einer Begegnung der besonderen Art. Er gab uns spontan ein exklusives Privatkonzert auf der Straße. Wir berichteten (3.Januar 2013) “Tu was du kannst, mit dem was du hast, wo immer du bist.”: So Kaliskes Motto und auch der Titel seines aktuellen Songs.  Gänsehaut und ein Vollbier später wussten wir, der Junge hat Talent und das Zeug weit über die Grenzen der sächsischen Heimat hinaus sein Liedgut bekannt zu machen. Neo Kaliske steht kurz vor seiner ersten Release Tour für das am 01.06.13 erscheinende Album und hat sich Zeit für ein Interview mit uns genommen.

Beeindruckend ist das bereits fertige Booklet seines Albumdebuts! 1000 CD Auflagen, Grafiken selfmade, Plakatieren selfmade…

Alles was eine Herzblut-Produktion benötigt ist in diesem Moment bereits im positiven Eifer Neo Kaliskes Stimme zu hören:

Kaliske: „Das Großartige daran, wenn man alles selber macht, dann kann man mitreden. Man erlebt die Schnittstelle zwischen allen Produktionsstufen selber mit. Dadurch wächst auch letztendlich der Respekt und die Professionalität sich selbst sowie auch den anderen gegenüber.“

Heimatwerk: „Neo, Du hast mehre musikalische Stationen durchlaufen, im Kinderchor angefangen dann als Rapper in der lokalen Hip-Hop Szene und zeitweise sogar als Frontmann einer Stoner-Punkband. Wann hast Du dich entschieden als Solokünstler eine deutschsprachige Singer-Songwriter Karriere zu machen?“

Kaliske: „Im Wesentlichen ist das als Kompromiss von alledem was vorher gewesen ist entstanden. Dabei waren die musikalischen Versuche in der Vergangenheit eher durch Erfolglosigkeit bestimmt. Das Englischsprachige Textkonzept in der Stoner Band hat nicht richtig funktioniert. Parallel habe ich seit 10 Jahren deutsche Texte geschrieben, die dann auch von meiner Band vertont wurden. Das Resultat dessen: Wir haben 3 Lieder für den Panikpreis der Udo Lindenberg Stiftung, die ja das Augenmerk auf deutschsprachige Texte richtet, eingereicht.”

HW: „Und das hat ja dann wunderbar geklappt! 2010 ihr habt den Panikpreis der Udo Lindenberg Stiftung gewonnen und wurdet Finalisten des John Lennon Awards 2013 Gratulation!“

Kaliske: „Danke, obwohl man sagen muss, erst einmal kam damals alles anders als gedacht. Nachdem wir als Band wussten wir sind mit im Rennen bei dem Wettbewerb haben wir versucht uns mit einem klassischen Businessplan selbstständig zu machen. Wir haben die Zielsetzung nach viel Fleißarbeit oft jedoch nicht geschafft. Die Luft war raus. Wir haben uns getrennt. Aber dennoch: Ich hatte mir wirklich vom Universum gewünscht Udo Lindenberg zu treffen und ich habe es geschafft! Wir konnten uns bei der Trennung der Band cool einigen.“

HW: „Wie war Deine Begegnung mit Udo Lindenberg und was konntest Du daraus mitnehmen?”

Kaliske: „Das Treffen fand im Hyatt in Berlin statt. Ganz separat in der Raucherlounge. Stundenlang hat er sich meine mitgebrachten Texte durchgelesen und sinniert. Am ersten Tag nannte er mich noch den „Panikpreisträger“ am zweiten Tag nannte er mich bereits „Kaliske“. Ich muss sagen, die 2 Tage haben mich total geflasht. Er hat mir wirklich hilfreiche Tipps gegeben und Erfahrungsberichte wie es ihm so ergangen ist. Nach den 2 Tagen, da wusste ich, es gibt Parallelen und ich konnte meine Erfahrungen und Gedanken auf einmal anwenden. Von daher, ja, das Gespräch mit Udo hat mich gestärkt.“

HW: „Das war Ende 2011?”

Kaliske: „Ja, knapp 2 Jahre sind seither vergangen. Der Panikpreis und der John Lennon Talent Award sind die Bestätigung auf meinem Weg gewesen. Ich habe mich kurz darauf als Straßenmusikant verwirklicht. Tu was Du kannst mit dem was Du hast wo immer Du bist…“ Das ist einfach mein Motto. Nun bin ich freiberuflicher Musiker.“

HW: „Du gehst mittlerweile mit dem Gitarristen Stephan John, und u. A. mit dem Posaunisten Torben Friedrich und der Violinistin Elisabeth Gerwien auf Tour. Gab es dafür ein richtiges Musikercasting oder kanntet ihr euch bereits?”

Kaliske: „Stephan habe ich kennengelernt als mir auf der Straße eine Gitarrensaite gerissen ist. Er hat im stadtbekannten Musikladen Plug in gearbeitet und Gitarren repariert. Zwischen uns entstand eine sofortige Verbindung. Ich habe ihm ein paar Songs vorgespielt und dann haben wir uns im Sommer zum jammen im Park verabredet. Daraus entstand anfangs ein 30 min. Programm, welches durch unsere gute Zusammenarbeit schnell zu anderthalb Stunden Programm gereift ist. Mittlerweile haben wir an die 105 Konzerte miteinander gespielt.“

HW: „Seit Clueso, der wohl bekannteste Singer/Songwriter mit deutschsprachigen Texten, sind es Namen wie Tim Bendzko und Philipp Poisel die wahrscheinlich oft als Vergleich für dein Genre herangezogen werden. Was unterscheidet Dich deiner Meinung nach von diesen Künstlern?”

Kaliske: „Durch diese tolle Kombination aus so vielen unterschiedlichen Erfahrungswerten und Musikern haben wir etwas Einzigartiges geschaffen, was echt vergleichbar ist mit den Erstlingswerken und Meilensteinen von Clueso und Co. Der Unterschied liegt eher darin begründet, dass diese Jungs professionellere Produktionsteams hatten und wir mit unserer Produktion wirklich bis ins letzte Detail einfach Alles selbst gemacht haben. Dennoch, ich spüre da keine Konkurrenz gegenüber anderen Künstlern, sondern sehe sie als Kollegen an. Wir haben das gleiche Handwerk.“

HW: „Erfolgreichen Musikern steht meist die ganze Welt offen. Kannst Du dir vorstellen woanders zu wohnen als in Leipzig oder wird die sächsische Heimat immer deine Basisstation sein?”

Kaliske: „Wie das „Herz-Duett“ mit Pia Allgaier zeigt, arbeiten wir gern auch überregional. Ich selber konnte Leipzig irgendwann tatsächlich nicht mehr richtig leiden. Wenn man in einer Stadt aufwächst und nicht rauskommt droht man irgendwann daran zu ersticken. Leipzig ist eine typische Manufakturstadt. Man bekommt hier eine großartige Ausbildung, das Handwerk ist da, aber danach hat keiner mehr Geld für Dein Produkt. Ich liebe es inzwischen bundesweit zu spielen. Nach über 60 Konzerten außerhalb von Sachsen habe ich dann endlich gemerkt, welch ein Segen diese Stadt für mich ist. Nur Leipzig bringt mich dazu mit dem was ich habe meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Außerdem ist Leipzig die schönste Stadt in Deutschland.“

HW: „Womit wir wieder am Anfang wären. Die Quadratur des Kreises? „Tu was Du kannst mit dem was Du hast…”

Kaliske: „Ja, alles andere wären Kompromisse. „Leipziger Freiheit“ nennen wir das hier. Ich habe hier meine Wurzeln und die notwendige Bodenständigkeit, die mich dem Publikum gegenüber gelassen machen.  Ich bin froh über meinen Weg. Man muss Fehler machen und daran arbeiten. Dann erreicht man sein Ziel und ist stolz auf sich selber. Das gibt Kraft für neue Projekte.“

Neo Kaliske feiert sein Debut Album//Release Konzert am 01.06. in Leipzig.

……

Links:

Website: http://www.neokaliske.de

 

Interview: Celia-D.Klaue

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