„Glaubt an eure Ideen!“ – 5 Jahre Paulsberg

Paulsberg: ein Studio, in dem nicht nur außergewöhnliche Möbel oder Wandverkleidungen aus Beton entstehen, sondern auch Kommunikationsstrategien mit Erlebnisfaktor. In diesem Jahr feiert das Team seinen 5. Geburtstag – für uns ein Grund, mit Lars Schmieder, einem der Gründer, die fünf Jahre Revue passieren zu lassen und einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Team Paulsberg (v.l.) schmiedet eifrig Zukunftspläne: Lars Schmieder, Mark Offermann, Silvio Kundt, Praktikantin Luise Heinig, Anika Körner und Praktikantin Veronika Zschornack © Paulsberg
Team Paulsberg (v.l.) schmiedet eifrig Zukunftspläne: Lars Schmieder, Mark Offermann, Silvio Kundt, Praktikantin Luise Heinig, Anika Körner und Praktikantin Veronika Zschornack © Paulsberg

HW: (Heimatwerk)

PB: (Lars Schmieder von Paulsberg)

„Habt Mut!“

HW: Das Paulsberg Studio steht nicht nur für außergewöhnliche Produkte aus Beton, sondern ist gleichzeitig eine Agentur für Markenkommunikation. Zusätzlich habt ihr auf der room+style Messe den staged Design Award + Show ins Leben gerufen, einen Preis für Designer aus Deutschland, Tschechien oder Polen. Erklär doch einmal, wie diese Projekte       zusammen gehören?

PB: Tatsächlich sind inzwischen sogar noch weitere Betätigungsfelder bzw. Labels hinzugekommen. Wenn Du es bildlich beschreiben möchtest, ist Paulsberg wie ein Haus mit mehreren Etagen, in denen unterschiedliche Dinge passieren.

Das verbindende Element unseres Schaffens ist Kreation & Kommunikation. Die Agentur Paulsberg beschäftigt sich mit Strategie und Werbung.

Paulsberg Habitat – unser Produktlabel für Möbel und Accessoires aus Carbonbeton – zeigt letzten Endes auch die Ergebnisse einer Kampagne. 2009 kam eine Anfrage aus dem Umfeld der TU Dresden, den innovativen Textilbeton neu zu denken und in einen anderen Kontext zu setzen. So ist Paulsberg entstanden – die ersten Abnehmer unserer Möbel waren die TU Dresden sowie Industriepartner, die an der Werkstoffentwicklung beteiligt waren. Sie sehen in unserer Produktentwicklung ein Marketingtool, um Innovationen sichtbar und erlebbar zu machen.

Die von uns ins Leben gerufenen Veranstaltungsformate haben auch immer eine klare Botschaft an definierte Zielgruppen. Im Falle der Designshow staged setzen wir unser Know-how in Kommunikation und Veranstaltungsorganisation gezielt ein, um Nöte und Bedürfnisse junger Designer entgegen zu treten. Und diesem Fall wissen wir eben auch aus der eigenen Erfahrung mit unserem eigenen Produktlabel, wo die Herausforderungen liegen.

HW: Dieses Jahr gibt es Grund zum Feiern – 5 Jahre Paulsberg. Was hat sich in den fünf Jahren für euch verändert? Was könnt ihr anderen Gründern und Produktdesignern aus eurem Erfahrungsschatz mit auf den Weg geben?

PB: Die vergangen fünf Jahre waren extrem spannend für uns. Nicht nur die Gründer, sondern jeder Einzelne im Team hat extrem viel dazugelernt. Was Paulsberg als „Arbeitgeber“ spannend macht, ist die Vielfältigkeit unserer Projekte.

Gründern können wir drei Dinge mitgeben, die zwar banal scheinen, aber immer wieder eine Herausforderung stellen: 1. Glaubt an eure Ideen. 2. Stellt ein gutes Team zusammen. 3. Habt Mut.

„Zielorientiert und trotzdem sexy“

HW: Bei eurer Kommunikation steht das Erlebnis an erster Stelle. Wie entwickelt ihr Ideen für eine Markenkommunikation?

PB: Entscheidend für die Entwicklung einer passenden Kommunikation ist immer, dass zuvor die DNA des Unternehmens oder der Marke entschlüsselt wurde: Was sind die Botschaften? Wer ist die Zielgruppe?

An dieser Stelle gehen wir sehr analytisch vor und investieren mit unseren Kunden viel Zeit in die Analyse und Strategieentwicklung. Die Ideen, wie wir ein Markenerlebnis schaffen können, leiten wir dann gezielt aus der von uns entwickelten Kommunikationsstrategie ab. Wir haschen nicht nach Effekten, sondern kommunizieren zielorientiert und dennoch sexy.

Selbstbewusst und voll integriert: Für das Dresdner Unternehmen CarboLife technologies GmbH & Co. KG entstand eine Kommunikation für Produkte aus dem Leichtbau und der Rehatechnik. Im Zentrum stand der Rollstuhlfahrer selbst. © Paulsberg
Selbstbewusst und voll integriert: Für das Dresdner Unternehmen CarboLife technologies GmbH & Co. KG entstand eine Kommunikation für Produkte aus dem Leichtbau und der Rehatechnik. Im Zentrum stand der Rollstuhlfahrer selbst. © Paulsberg

HW: Wie entsteht dagegen eine Gebäude-Kommunikation? Inwiefern unterscheidet sich diese vielleicht auch von einer Produkt- oder Markenkommunikation?

PB: Du sprichst eins unserer neuen Betätigungsfelder an. Mit immobilienvermarkten.de sprechen wir gezielt die Immobilienwirtschaft an.

Unsere Methodik unterscheidet sich dabei gar nicht so stark von unseren Projekten in anderen Branchen, die abgeleiteten Maßnahmen dafür häufig umso mehr – schließlich möchte ein Interessent für eine Eigentumswohnung anders angesprochen werden als z.B. ein Konzern, dem ich die Vorteile der Zusammenarbeit mit einem sächsischen Mittelständler vermitteln möchte. Umso mehr geht es hier um das emotionale Erlebnis.

HW: Der Staged Design-Award + Show vereint den Design-Nachwuchs von Deutschland, Polen und Tschechien. Wie kamt ihr zu diesem Länderdreieck?

PB: Die Frage lässt sich ganz leicht beantworten, wenn man auf eine Karte schaut. Dresden ist die größte Stadt im Dreiländereck, jedoch haben wir den Eindruck, dass hier das Potential der grenzübergreifenden Region Sachsen, Böhmen und Schlesien nur unzureichend sichtbar ist – insbesondere die Kreativwirtschaft betreffend.

Und an genau dieser Stelle setzen wir mit der staged an. Wir geben Nachwuchsdesignern aus allen drei Ländern eine öffentlichkeitswirksame Bühne für ihre Produktideen, die Möglichkeit sich untereinander zu vernetzen und in den Workshops Know-how mitzunehmen.

Übrigens, wir sind total stolz, dass wir mit der staged für den Sächsischen Staatspreis für Design nominiert worden sind.

Platzierungen auf der staged 2016: 1. Netz aus Flachs, 2. Holz-Fahrrad 3. Lautsprecher aus Beton und Holz. © staged
Platzierungen auf der staged 2016: 1. Netz aus Flachs, 2. Holz-Fahrrad 3. Lautsprecher aus Beton und Holz. © staged

(Anm: Hier gelangt ihr zur Abstimmung für den Publikumspreis für den Sächsischen Staatspreis für Design)

„Am Ende entstehen neue Freundschaften“ 

HW: In diesem Jahr fand zum ersten Mal im Rahmen des staged-Awards ein Workshop statt, bei dem Nachwuchstalente aus dem Länderdreieck vor Ort auf der room+style Messe zusammen neue Designs entwickelten und auch präsentierten. Was waren eure schönsten Erlebnisse oder Eindrücke?

PB: Abgesehen davon, dass in den Workshops tolle Ergebnisse entstanden sind, sind für uns die schönsten Momente, zu beobachten, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und Expertise zusammenkommen, an einer Problemstellung arbeiten und am Ende gar neue Freundschaften entstehen.

HW: Zwischen eher maskulinen Produkten, wie dem Betonmischwagen oder der kleinen Straßenwalze, befindet sich auch die wunderschöne Schmuckkollektion „Les Diamants“ in eurem Produktsortiment. Woher nehmt ihr eure Inspiration?

PB: Das ist ganz unterschiedlich. Natürlich beschäftigen wir uns mit Design und Trends. Ganz entscheidend bei der Entwicklung eines Möbels oder Accessoires aus Beton ist das Wissen über den Werkstoff. Vor allem entwickeln wir aber Produkte, die uns interessieren und uns auch selbst Spaß machen.

HW: Beim Clubsessel Spurt oder der Tischplatte Flunder ist der Beton so hauchdünn, dass die Produkte vom Gewicht her sehr leicht sind und trotzdem so stabil. Wie funktioniert das?

Die schlanke und frei geformte Anmut unserer Kollektion wird erst möglich durch den Einsatz von Textilbeton. Im Inneren der Betonmatrix stecken mehrere Lagen eines Carbon-Geleges – man kann es sich wie ein Gitternetz vorstellen. Das Carbontextil nimmt bei Belastung die Zugkräfte auf, ist bei gleicher Auslegung stabiler als Stahl, korrodiert nicht und ist zudem frei drapierbar.

Wie machen die das bloß? Betontextil sorgt für die schlanke Optik und die hohe Belastbarkeit von Clubsessel Spurt, Flunder und Couchtisch Fruits. © Paulsberg
Wie machen die das bloß? Betontextil sorgt für die schlanke Optik und die hohe Belastbarkeit von Clubsessel Spurt, Flunder und Couchtisch Fruits. © Paulsberg

„Auch mal etwas wagen…“

HW: Was erwartet uns die nächsten fünf Jahre von Paulsberg? Sind schon neue Produkte in Planung? Vielleicht sogar wieder aus dem Trend-Material Beton?

PB: Ich denke da müssen wir unterscheiden – für die Kommunikationsagentur Paulsberg haben wir das klare Ziel, uns in den kommenden Jahren weiter zu etablieren und gezielt auch überregional spannende Unternehmen in ihrer Kommunikation zu unterstützen.

Für die Paulsberg Habitat Kollektion entwickeln wir aktuell keine neuen Möbel. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns nicht weiter mit dem Werkstoff Textilbeton beschäftigen: Wer sich für Wandbekleidung aus Beton interessiert, sollte sich mal unser Label »steinhaut« ansehen. Es handelt sich dabei um dünne großformatige Betonplatten, die auf Wände, aber auch Möbel aufgetragen werden können – die Architekten lieben es.

Hauchdünne 5 mm Fliesen aus textilbewehrtem Beton schützen die Wand vor Nässe oder Feuer © Steinhaut.de
Hauchdünne 5 mm Fliesen aus textilbewehrtem Beton schützen die Wand vor Nässe oder Feuer © Steinhaut.de

HW: Habt ihr vielleicht ein Motto oder Credo für eure Firma, das euch die letzten fünf Jahre begleitet hat?

Definitiv Trial and Error. Wir überlegen uns natürlich genau, was wir tun, zerreden die Dinge aber nicht, sondern packen es einfach an. So sind auch die unterschiedlichen Betätigungsfelder und Schwerpunkte entstanden. Sich auch mal etwas wagen und neuen Herausforderungen stellen, ist unsere Devise.

HW: Vielen Dank für das Geburtstags-Interview – wir sind gespannt, was wir in den nächsten fünf Jahren erleben dürfen!

Übrigens können Sie gerade Beton-Ohrhänger von Paulsberg bei uns gewinnen: http://eepurl.com/cngMYX

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