Designer in Deutschland – Fashion Tech von Layla Mueller

Wenn Mode und Technologie zusammenwachsen…

Wir wollen hier im Heimatwerke Magazin deutschen Designern über die Schulter sehen und mehr darüber herausfinden, wie sie arbeiten, was sie bewegt und wo sie ihre Inspiration finden. Da das Thema Fashion Tech in aller Munde ist und wir die Verbindung von Mode und Technik sehr spannend finden, haben wir die junge Designerin Layla Mueller getroffen und mit ihr gesprochen…

3D Drucker Lötkolben (c) Tilmann Rohlf

Du hast in Deutschland und auch im Ausland Design studiert – wo steht für dich deutsches Design im Vergleich?

Deutsches Design und dessen Verwirklichung basiert für mich auf Zuverlässigkeit und einer sehr klaren Kommunikation. Die enorme Bedeutung wurde mir erst nach mehreren Auslandsaufenthalten richtig bewusst. Vor allem in der Zusammenarbeit mit anderen Designerin, Lieferanten und Kooperationsunternehmen habe ich diese zu schätzen gelernt. Es erleichtert die Entwicklung einer Idee und führt dazu, dass Prozessoptimierungen und ein tolles, innovatives Design im Vordergrund stehen. Durch diese Arbeitsweise können viele äußerliche Faktoren mit einbezogen werden. Vom Entwurf bis zur Produktion liegt der Fokus bei einer klaren Formsprache und hochwertigen Verarbeitung mit Bedacht auf jedes Detail. Das bereitet mir viel Vergnügen.

Li Edelkoort, die Trendforscherin, sagt „Mode ist tot“. Ist sie das wirklich und wenn nicht, wo liegt ihre Zukunft?

Die einstige Wahrnehmung der Mode hat durch Fast Fashion und bedeutungslose Trends sehr gelitten. Genau wie Edelkoort sehe ich die Notwendigkeit einer Veränderung des Marktes. Innovationen sind definitiv erforderlich und sollten in der Bekleidungs- und Textilindustrie von größter Bedeutung sein. Es reicht jedoch nicht, nur darüber zu reden. Die Branche muss mutig genug sein, den Schritt zu wagen. Einige Labels haben das bereits erkannt. Dieser Weg führt unweigerlich zu einer spannenden Symbiose von Bekleidung und Technologie. Dabei gilt nicht mehr „Form follows Function“ sondern eine Gleichgewichtung beider Aspekte.

Du machst in Berlin „Fashion Tech“ – was genau versteht man darunter?

Fashion Tech ist eine Möglichkeit für die Mode, eingefahrene Wege zu verlassen und aus einer Kombination neuer Fertigungsmöglichkeiten und Technologien neue Richtungen einzuschlagen. Sie bietet viele Facetten. Technik wird in Mode integriert, es werden innovative High-Tech Materialien oder Lösungsansätze für Performancebereiche der Mode entwickelt. Fashion Tech beeinflusst nicht nur den Designprozess selbst, sondern auch die Art der Produktion, die Distribution sowie die Vermarktung.

Verarbeitungstechniken wie Lasercut und 3D-Druck sind mittlerweile sehr bekannt, aber es gibt noch so viel mehr Innovationen, die uns begegnen werden. Die Herausforderung liegt in der Zusammenführung von Designerin und Tech-Experten und einer abgestimmten Kommunikation. In dieser Bewegung gibt es noch recht viele experimentelle Ansätze, die sicherlich mit der Zeit auf den Markt zugeschnitten werden bzw. einen neuen Markt erschaffen. In diesem Stadium bewegen sich meine Arbeiten aktuell ebenfalls.

Machine hacking (c) Tillmann Rohlf

Woher holst du die Inspiration für Deine Designs – aus modischen als auch technischen Aspekten?

Berlin ist ein riesen Ideenpool. Jede Ausstellung, jedes Event und jegliche Erfahrung könnte für mich unerwartet der Stoff für eine neue Inspiration sein. Technische Aspekte erschließen sich mir vor allem durch Gespräche in offenen Diskussionsrunden und bei Meetups unter Professionals der Branche. Zusätzlich arbeite ich eng mit Hergen Wöbken vom IFSE Berlin zusammen. Wir entwickeln Projekte und beschäftigen uns intensiv mit der lokalen Kreativindustrie. Da ergeben sich viele Ideen und mögliche Projekte mit Kooperationspartnern. Dieselbe Erfahrung mache ich als Designer in Residence bei ElektroCouture, dort erhalte ich Unterstützung für die Entwicklung meiner technischen Designs.

Wenn du jetzt ein Fashion-Tech Piece designen könntest, ohne auf die tatsächliche Umsetzbarkeit achten zu müssen, was wäre das und welche Funktion hätte es?

Seit längerem beschäftige ich mich intensiv mit der Visualisierung von Sound. Es wäre mein Wunsch, Materialien zu kreieren, bei denen sich die Oberflächenstruktur sowie das Muster und die Farblichkeit auf Grund der Umgebungslautstärke, der Frequenzbereiche und der damit einhergehenden Vibrationen verändern. Daraus würde ich dann eine spannende Kollektion für Männer und Frauen entwickeln.


Hier findet Ihr Layla Mueller’s Designs im Netz:

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