Blaudruck – Eine fast vergessene Handwerkskunst

Unzählige historische Handwerke sind in Deutschland vom Aussterben bedroht – zum Beispiel: der Blaudruck. Wäre er eine Tierart, müsste man ihn auf die „Rote Liste“ setzen. Kunstvoll verziert und verschönert er Textilien aus Leinen und Baumwolle – wie Bettwäsche, Tischdecken oder sogar Topflappen – mit blau-weißen Mustern und Motiven.

Blickfang in jeder Küche: Blaudruck-Topflappen (© heimatwerke.de)
Blickfang in jeder Küche: Blaudruck-Topflappen (© heimatwerke.de)

Deutschlandweit gibt es leider nur noch sehr wenige Werkstätten, die dieses herrliche Handwerk traditionsgemäß pflegen. Werkspionage und die Begeisterung der Europäer für chinesisches Porzellan haben es ermöglicht, dass der Blaudruck in der Frühen Neuzeit auch bei uns Einzug gehalten hat. Dank eines Zeugdruckers aus Augsburg, Jeremias Neuhofer, verbreitete sich dieses Färbeverfahren im deutschsprachigen Raum. Neuhofer ließ seinen Bruder Georg im Jahr 1689 nach England und Holland reisen, um die neue Drucktechnik auszukundschaften und stellte anschließend die ersten Blaudruckerzeugnisse in Deutschland her.

Beim Blaudruck wird nicht blau gedruckt

Passend zum Bunzlauer Geschirr: Blaudruck-Tischdecken (© heimatwerke.de)
Passend zum Bunzlauer Geschirr: Blaudruck-Tischdecken (© heimatwerke.de)

Der Name „Blaudruck“ lässt vermuten, dass die Textilien mit blauer Farbe bedruckt werden – tatsächlich werden sie aber in blauer Farbe gefärbt. Das Geheimnis, hinter das Neuhofer kommen wollte, lag in der Farbe! Neuhofer hatte als Zeugdrucker, der Textilien mit Farben bedruckt, jedoch nicht das nötige Wissen, um dahinter zu kommen. Ein Färber musste her, damit Neuhofer in Augsburg fortan selbst den „Porzellandruck“ betreiben konnte. Dieser Name entstand übrigens, weil die Blaudruckerzeugnisse mit ihren blau-weißen Mustern dem blau-weißen Porzellan aus China ähnelten, das damals in Europa – vor allem in den Fürstenhäusern – äußerst beliebt war.

Blaudruck in Sachsen

Wenige Jahrzehnte nach Neuhofers Pionierarbeit kam der Blaudruck auch in Sachsen an, insbesondere nahe der Hauptzentren der verschiedenen Färberzünfte. Das Sächsische Heimatwerk bezieht seine Blaudruckwaren aus einer traditionellen Werkstatt in Pulsnitz, in der noch so liebevoll handgearbeitet wird wie vor 250 Jahren.

Ein Herz für Blaudruck (© heimatwerke.de)
Ein Herz für Blaudruck (© heimatwerke.de)

Diese Werkstatt geht auf zwei Aussiedler zurück: Nach Ende des Zweiten Weltkriegs ließen sich in Pulsnitz der Blaudrucker Gerhart Stein, dessen Familie nachweislich seit dem 17. Jahrhundert in dem Gewerbe tätig war, und der Formenstecher Ewald Drescher nieder. Gemeinsam wiederbelebten sie in der „Pfefferkuchenstadt“ das traditionelle Blaudruck-Handwerk. Heutzutage wird es in Sachsen nur noch in zwei Werkstätten betrieben– und eine davon beliefert das Sächsische Heimatwerk mit hochwertigen Waren.

Hinter dem Blaudruck steckt hoher Aufwand

Blaudruck ist ein aufwendiger Vorgang, der ein wenig dem Batiken ähnelt. Bei der Technik handelt es sich um einen sogenannten Reservedruck: Indem die Motive auf dem Stoff mit einer speziellen Masse abgedeckt werden, werden sie nicht mitgefärbt, wenn der Stoff gefärbt wird.

Mit Modeln wird der Papp aufgetragen - diese Stellen sind später weiß (© Pulsnitzer Blaudruck)
Mit Modeln wird der Papp aufgetragen – diese Stellen sind später weiß (© Pulsnitzer Blaudruck)

Ob diese Technik in Indien oder im Orient entstanden ist, darüber diskutieren die Forscher noch heute. Nach Europa gelangte sie im 17. Jahrhundert durch den Handel über die Seewege. Die Blaudrucker beginnen ihre Arbeit, indem sie den Stoff gründlich waschen und in einer Mangel glätten. Dann werden auf einem Drucktisch in präziser Handarbeit die Muster aufgedruckt. Dies geschieht mithilfe von „Modeln“. Damit sind keine schlanken Schönheiten gemeint, sondern geschnitzte Holzformen, die ein spezialisierter Formenstecher erstellt.

Besonders wertvoll in einer Blaudruck-Werkstatt: Die Modeln, mit denen der Papp aufgetragen wird (© heimatwerke.de)
Besonders wertvoll in einer Blaudruck-Werkstatt: Die Modeln, mit denen der Papp aufgetragen wird (© heimatwerke.de)

Mehrere hundert solcher Modeln hütet eine Blaudruckerei für gewöhnlich in ihrer Schatzkammer. Auf die Model wird vor dem Druck der sogenannte „Papp“ aufgetragen, eine breiartige Masse, die verhindert, dass sich der Stoff an den bearbeiteten Stellen einfärbt – damit nach dem Färben ein weißes Muster auf dem blauen Stoff zurückbleibt. Je besser der Papp, desto besser die Druckqualität. Die Blaudrucker machen deshalb ein großes Geheimnis darum, wie ihr Papp zusammengesetzt ist: Das Rezept wird nur von Generation zu Generation weitergegeben.

In einer Blaudruck-Werkstatt findet man viele Muster, wie bei diesen Eierwärmern (© heimatwerke.de)
In einer Blaudruck-Werkstatt findet man viele Muster, wie bei diesen Eierwärmern (© heimatwerke.de)

Aus Grün mach Blau

Ist das Muster auf dem Stoff aufgebracht, wird er in einem spinnenartigen Gehänge, dem „Stern“, aufgehängt, damit der Papp trocknen kann. Danach erfolgt das eigentliche Färben mit dem Indigo-Farbstoff in einem bis zu zwei Meter tiefen Bottich, der „Küpe“. Der Stoff wird mehrere Male in die Küpe getaucht – je häufiger, desto intensiver ist später das Blau. Nach dem Färbevorgang wird der Papp entfernt und der Stoff gewaschen und getrocknet.

Stoff auf dem "Stern" wird in Küpe getunkt (© Pulsnitzer Blaudruck)
Stoff auf dem „Stern“ wird in Küpe getunkt (© Pulsnitzer Blaudruck)

Erst jetzt, bei der Oxidation an der Luft, verwandelt sich der grünliche Indigo-Farbstoff in ein kräftig strahlendes Blau. Anschließend geht es noch einmal durch die Mangel, ehe der Blaudruckstoff zu Tischdecken, Läufern, Kissenbezügen, Servietten und vielen weiteren wundervollen Waren verarbeitet wird. Manche davon können Sie auch auf bei uns auf heimatwerke.de erwerben.

Written By
More from Maria

„Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland…“ – Herrnhuter Sterne

Ein Stern gegen das Heimweh Schon im Jahr 1722 wurde der Grundstein...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.